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29.10.2007: Freischaltung des „Informationssystems Oberflächennahe Geothermie“ durch Regierungspräsident Dr. von Ungern-Sternberg am 29.10.2007

Das Informationssystem Oberflächennahe Geothermie des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) – Abt. 9 im Regierungspräsidium Freiburg – ist online. Das System steht allen Interessierten über das Internet zur Verfügung. Regierungspräsident Dr. von Ungern-Sternberg gab anlässlich einer Informationsveranstaltung am 29. Oktober 2007 in Freiburg i. Br. den Startschuss für diesen elektronischen Dienst. Zielgruppe für dieses Informationsangebot sind Bürgerinnen und Bürger, Fachanwender aus Planung, Beratung und Handwerk sowie die öffentliche Verwaltung.

Die oberflächennahe Nutzung von Erdwärme hat sich in Baden-Württemberg mittlerweile fest etabliert. Am häufigsten wird dabei die Erdwärmesondentechnik genutzt. Die Anzahl neuer Sonden ist in den letzten Jahren deutlich angewachsen. Allein im Jahr 2006 kamen über 2500 neue Sonden im Land hinzu. Grundsätzlich kann diese Technik überall im Land genutzt werden. Allerdings ist ihr Einsatz mit bestimmten Einschränkungen verbunden. Hierzu gehören sowohl geologische Risiken für ein Vorhaben als auch Anforderungen des Grundwasser- und Rohstoffschutzes. Umweltministerium und LGRB hatten im Jahr 2005 hierzu einen „Leitfaden zur Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden“ erarbeitet. Das Informationssystem bildet nun die flächenbezogenen Anforderungen und Kriterien des Leitfadens auf der Landesfläche ab.

Das System gibt anhand digitaler, interaktiver Karten Hinweise zu geologischen Risiken und Einschränkungen bei Erdwärmesondenbohrungen sowie zur Effizienz einer Erdwärmesondennutzung bis 100 Meter Tiefe. Es gibt damit allen Interessierten eine Orientierung, über die Möglichkeiten der oberflächennahe Erdwärmenutzung auf ihrem Grundstück. Diese Hinweise und Informationen ersetzen keine Verwaltungsverfahren und keine energietechnische Planung am jeweiligen Standort.

Konzeption und Architektur des Informationssystems sind modular und fortschreibungsfähig aufgebaut. So können beispielsweise neue Informationen für eine verbesserte Prognose der Untergrundverhältnisse oder veränderte Schutzgebietskulissen künftig zeitnah in das System eingespeist werden. Für vereinzelte Teilbereiche des Landes waren bisher statische, nicht fortschreibungsfähige Karten gefertigt worden, die mit der Zeit veralten können. In der aktuellen Version wird zusätzlich eine Methode zur Berechnung der geothermischen Entzugsleistung für beispielhafte Konfigurationen von Erdwärmesonden angeboten.

Das System wurde für den Bereich des Oberrheingrabens pilothaft entwickelt. Nach der ersten Vorstellung des Konzepts und eines Prototypen bei der Geotherm-Messe 2007 in Offenburg ließen sich über 100 Testnutzer registrieren. Ihre Rückmeldungen und Testberichte haben maßgeblich zur Weiterentwicklung und Praxistauglichkeit beigetragen. Nach der Freischaltung wird die sich Flächendeckung das System bis Ende des Jahres über Oberschwaben und die Schwäbische Alb erstrecken. Bis Ende 2008 soll in weiteren Schritten die gesamte Landesfläche überdeckt werden. Neben der vollständigen Abdeckung der Landesfläche wird parallel über künftige inhaltliche Erweiterungen des Informationsangebotes nachgedacht.

Im Legendenfeld rechts neben der Karte können Karten mit den für ein Bohrvorhaben
relevanten Themen aufgerufen werden:
  • sensible Grundwassernutzungen (Mineralwassergewinnungsstellen),
  • Begrenzung der Bohrtiefe,
  • artesische Grundwasserverhältnisse,
  • Wasser- und Heilquellenschutzgebiete,
  • tektonische Störungen,
  • spezifische Wärmeentzugsleistung für verschiedene Tiefen und unterschiedlicher Nutzungsdauer
Systemvarianten
Das Informationssystem wird in einer kostenfreien Standardversion angeboten. Der Zugang erfolgt derzeit ausschließlich über einen MapServer-Dienst im Internet. Darüber hinaus wird eine erweiterte Version angeboten, die am ausgewählten Standort zusätzlich ein prognostisches Bohrprofil enthält sowie einen Zugriff über Gemarkung und Flurstücksnummer erlaubt. Die erweiterte Version zielt in erster Linie auf Fachanwender ab. Sie kann gegen einen geringen Kostenbeitrag ab 01.01.2008 abonniert werden.
gez. Stephan Gutzweiler